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50 Tage Málaga

Fünfzig Tage. Das sind über sieben Wochen. Und das ist genau die Zeit, die ich schon hier in Spanien bin. Es ist irgendwie komisch die Zahl auszuschreiben, denn dann wirkt sie so gering und unbedeutend.. eben genau so, wie die Zeit hier ganz und gar nicht ist. Vielmehr kommt es mir so weitreichend und wertvoll, lehrreich und spannend vor, hier zu sein. Vor allem aber kommt es mir so vor, als sei ich schon seit sieben Jahren hier. Zeitgefühl ist tatsächlich eine verrückte Angelegenheit. Hier jedenfalls vergeht die Zeit wie im Flug. Es hat nur 50 Tage gedauert und ich bin in der Lage mich im Supermarkt mit den anderen Birkenstocktragenden-HaareNachOben-BequemeHosenAn-Mamis über die besten Breigläschen für Babys, die saugfestesten Windeln und die günstigsten Lebensmittelangebote zu unterhalten. Ich bekomme Komplimente für mein süßes Baby und wie ähnlich es mir doch sähe, was mir ein wenig unangenehm ist, muss ich doch schließlich darauf hinweisen, dass das kaum möglich sei, weil ich nicht die Mutter bin. Danach folgt meistens ein Vortrag der Komplimentemacher über das junge Muttersein und wie gut es sei, dass das doch nicht meine Kinder sind, weil 19 ja noch kein Alter wäre und ich das Leben ja noch vor mir hätte, bis schließlich der erlösende Moment des Kassierens kommt und ich mich verabschieden darf.. bis zum nächsten Babysmalltalk. Nur 50 Tage und ich kann kochen.. Naja zumindest in Ansätzen. Gestern habe ich Schinken/Käse-Crepes für alle gemacht! Zum Glück gibt es ein paar Kochfanatiker auf YouTube, die Schritt-für-Schritt erklären, in welchem Winkel man das zerschlagene Ei am besten in die Mehl-Milchpampe gibt. Die Wahrheit ist: Ich bin eher der Typ Single-Kocher, für den Spaghetti, Tortellini oder Tortilla-Wraps von LIDL Meisterleistungen sind. Falls jemand unter euch lieben Lesern ist, der noch keine Tortilla-Wraps gegessen hat, der möge dies bitte auf der Stelle nachholen! Den Tortilla-Wrap einfach mit Fleisch (am besten Hackfleisch), Käse, Paprika, Tomaten, Oliven, Salat, bei Bedarf Pepperoni, Gurken und Salsa-Sauce füllen und fertig ist der leckerste Tortilla-Wrap der Welt. Dass ich euch dieses Rezept verraten konnte, lässt mich mich selbst nur noch mehr als Meisterköchin fühlen. 50 Tage sind vorbei und ich hab so viele Dinge erlebt, Dinge wie Menschen kennenlernen & Freunde finden, Stierkämpfe, Feria, Ausflüge in die Berge, zu den Seen, ans Meer, Stadterlebnisse, Marbella-Besuche, vor allem aber eine neue Art und Weise zu Leben kennenzulernen. Mit allen Höhen und Tiefen, die dazu gehören. Hier zu sein, langsam Alltag einkehren zu lassen und sich an all das hier zu gewöhnen ist manchmal tatsächlich anstrengend, hart und herausfordernd. Meine Familie fehlt mir sehr. Es gibt ein englisches Sprichwort,das sagt "The distance makes the heart grow fonder", was so viel bedeutet wie ".. die Entfernung lässt die Liebe wachsen". Skype, WhatsApp, Facebook oder Instagram machen zwar Vieles leichter, aber trotzdem fehlen mir meine vertrauten Menschen mit ihrer eigenen, liebenswerten Art, Ratschlägen und Umarmungen. Und auf einmal erkenne ich, wie gesegnet ich bin, eine solch wunderbare Familie zu haben, wie meine eben ist. Und wie dankbar ich dafür eigentlich bin. Aber trotz dieser besagten Tiefpunkte wäre ich lange nicht bereit, heimzukehren. Ich genieße zu sehr das Großstadtleben, die Ausflüge mit den Kindern und das Zeit-Verbringen mit neuen Freunden, von denen die meisten übrigens Amerikaner sind, was auf seine Art irgendwie komisch ist, weil ich wahrscheinlich als erste Deutsche aus Spanien heimkomme und fließend Englisch spreche. Gerade erst komme ich aus der Stadt, wo ich mit Jenny aus Missouri meinen 50. Tag hier gefeiert hab, weshalb es ein wenig schwierig ist, hier auf Deutsch zu schreiben und die englischen Wörter, die mir im Kopf herumschwirren zu ignorieren. Wir waren heute bei Subway essen, um danach marrokanischen Schwarztee in einer arabischen Teestube zu trinken und den freien Eintritt in zwei Museen über Kunst zu genießen, was uns wiederum so hungrig gemacht hat, dass wir in einem mexikanischen Restaurant noch einmal auf die Zeit hier angestoßen und uns Burritos gegönnt haben. Hab ich schon erwähnt, dass wir zwischendrin noch die süßen kleinen Hippie-Läden abgeklappert haben? Es war jedenfalls ein absolut schöner Tag, obwohl es geregnet hat. Ja das hat es tatsächlich und ja es ist unglaublich: Es gibt hier Regen! Ich glaube noch nie zuvor habe ich mich so darüber gefreut, aber nach all den Wochen unsagbarer Hitze war das die willkommene Abwechslung. Es wird tatsächlich Herbst. Das merke ich auch an meiner Erkältung, mit der ich gerade zu kämpfen habe. Hust. Ich hab das Gefühl dieser Blogeintrag bringt euch nicht viel mehr Informationen als die, die es schon zuvor von mir zu hören gab, und das lässt mein Leben hier irgendwie langweilig wirken, aber das ist es ganz und gar nicht. Ich sehe zwei herzallerliebste Mädchen aufwachsen und habe die coolste Gastfamilie, mit der es immer etwas zu lachen gibt, ich liebe die Spaziergänge durch die Stadt, ich bewundere die offenen Menschen hier, ich genieße die Kultur und ich freue mich auf mein Wochenende mit Jenny und Rachel in Ronda in 2 Wochen. Ich hab das Gefühl endlich voll und ganz hier angekommen zu sein, wenn auch noch nicht ganz bei mir selbst. Das ist verwirrend und komisch, chaotisch und unsicher, aber eines weiß ich und das mit absoluter Sicherheit: Egal wo ich bin, egal wer ich im Moment bin, egal wie ich mich fühle und ganz egal ob ich Kochen kann oder nicht: Gott ist da. Mit seiner Liebe hält und trägt, stärkt und tröstet er mich an jedem Tag hier. Und weil er mich so liebt, schenkt er mir so viel wie eine unterstützende Familie, neue, tiefe Freundschaften, Spaß, Erlebnisse, gute Gespräche und das wahrscheinlich beste Essen der Welt (außer ich koche, dann ist es eher ein trauriges Abbild meiner Kochkünste, kein Geschenk) und all die kleinen Dinge, die im Großen und Ganzen mein Leben zu einem Sinn verhelfen. Und mein Sinn liegt in ihm. Wie genau ich das meine, muss ich selbst noch herausfinden, aber ich weiß, dass es keine größere Liebe gibt, als die, die Gott für mich empfindet. Und für dich. Bei mir hat es fünfzig Tage gedauert, um das tatsächlich zu erkennen. Das waren die wahrscheinlich fünfzig wertvollsten Tage meines Lebens und ich freue mich auf die nächsten und bin gespannt, was Gott diesmal darin mit mir vorhat. Hoffentlich keine weitere Lektion in Sachen Crepes machen. Weitere zerstückelte Überreste eines vermeintlichen Crepes wären wirklich deprimierend.
27.9.14 22:49
 
Letzte Einträge: Leben leben , Oh Darling, don't you ever grow up.. , Ein bisschen Poetry, weil Amerika mit mir das Einmonatige feiert. , 45 Tage später , FELIZ NAVIDAD


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